Halloween-Special #3 – Anthologieserien
Jeder Horrorfan, der es ernst meint mit dem Genre, kommt ins Träumen wenn er Titel wie ‘Alfred Hitchcock presents’ oder ‘Twilight Zone’ hört. Sofort fühlt man sich zurückversetzt in die goldenen Jahrzehnte des Horror- und Science-Fiction-Films. Als plärrende Sprecher von Meteoriten und Portalen in fremde Dimensionen berichteten und surreale bis konfuse Intros den Zuschauer auf eine ganz und gar fremde Welt einstimmten.
Anthologieserien wie ‘Twilight Zone’ und ‘Outer Limits’ haben wenigstens bis vor ein paar Jahren überlebt, aber außer ein paar Innovationen in den 80er Jahren (manche wollen dieses Jahrzehnt ja totschweigen – da seht ihr mal) ist nichts Aufregendes passiert. Und fast könnte man das Gefühl haben, dass die derzeitige Welle von Serials aus den Staaten (im Horrorbereich namentlich zb. ‘Threshold’, ‘4400′ usw) die altmodische Horrorserie verdrängt hat. Dabei gibt es immer wieder fantastische Anthologien, die selten in die Öffentlichkeit drängen, mitunter aber selbst gegenüber Kinofilmen sehr gut bestehen können.
Ich möchte ein paar dieser Serien vorstellen, die aus allen Teilen der Erde stammen (die asiatischen – wie ‘City Horror’ – spare ich an dieser Stelle wegen ihrer Seltenheit aus).
Hammer House of Horror (1980)
Steigen wir doch mit einer älteren Variante ein – aus dem Ursprungsland der gothischen Schauermär: England. Nachdem die legendären Hammer Studios ihre Glanzzeiten lange hinter sich gelassen hatten, reanimierten die Produzenten Roy Skeggs und Brian Lawrence das Studio zu einem letzten großen Deal. In der Atmosphäre der alten Klassiker entstand eine 13-teilige Anthologieserie, die die ‘Hammer’-Größen erneut vor und hinter die Kamera holte.
Die Folgen zeichnen sich dabei durch unterschiedliche Qualität aus, sind aber in den besten Momenten ein echtes Kinoerlebnis. Besonders hervorheben möchte ich Folge 7 ‘The Silent Scream’, die mit einem herrlich abgründigen Peter Cushing aufwarten kann.
Masters of Horror (2005)
Mick Garris, Initiator dieser Anthologieserie, zeichnete sich bislang nicht durch besonders hochwertige kreative Leistungen aus. Allein Stephen King Fans war er stets ein Begriff, da er es immer wieder hinbekam, eine hervorragende Romanvorlage zu banalisieren.
In ‘Masters of Horror’ zeigte er sich nun als wahres Konzeptions- und Organisationsgenie, schaffte er es doch tatsächlich, die Größen des Horrorfilms zu einem gemeinsamen Projekt zu verpflichten. So sah man lange verschollen geglaubte Regisseure zu neuer Höchstform auflaufen (besonders bemerkenswert Argentos Beitrag zur 2. Staffel ‘Pelts’) oder auf den geliebten Stilen aufbauen (Joe Dante mit seinen humorvollen Episoden), man staunte über die Umsetzungen geliebter Kurzgeschichten bekannter Autoren, und selbt Mick Garris schuf in Staffel 2 seinen ersten ernstzunehmenden Genrebeitrag.
Nur Showtime wusste die Qualität der Serie nicht auf lange Sicht zu schätzen und setzte nach 2 Staffeln einen Schlussstrich.
Fear Itself (2008)
Damit gab sich Mick Garris nicht zufrieden, und ging mit dem Konzept zu NBC. Die meisten Stammregisseure (bis auf Argento, der zu diesem Zeitpunkt mit seiner dritten Mutter beschäftigt war) zogen mit und versuchten nun, die Philosophie der Serie unter neuem Titel ins Free-TV zu transportieren.
Zum Leidwesen der verwöhnten Zuschauer gelang dies nur bedingt. Durch fehlende Länge (und damit narrativer Substanz), Freizügigkeit und Blut, verwandelte sich die Anthologie in eine Neuauflage der ‘Twilight Zone’. Immer noch sehenswert, aber sicher keine Offenbarung.
Peliculas para no dormir (2006)
Auch in Spanien hatte man die Zeichen der Zeit erkannt. So beschloss man bei ‘Filmax’ (die durch ihre Unterfirma, der ‘Fantastic Factory’ von Brian Yuzna, ja schon weitreichende Erfahrungen im Bereich Horror hatten) eine europäische Variante der ‘Masters of Horror’ zu drehen. Diesmal in Spielfilmlänge, als einzelstehende Filme angelegt, und mit spanischen Größen hinter der Kamera.
Das eindringlichste Werk gelang dabei natürlich dem Genreveteran Alex de la Iglesia mit ‘The Baby Room’. Ein Film, der durch subtile Schockeffekte auch mit den größten Kinoschockern mithalten kann.
Posted in Allgemein, Filmkritik | 1 Comment »
Flickr/MorphiumFilm
Myspace/MorphiumFilm
YouTube/MorphiumFilm
Del.icio.us/Morphium66

November 6th, 2008 at 6:07 pm
höchst interessanter Beitrag