Youtube und die Wertschätzung
Auf der Seite von Drehbuchautor John August ist heute die Zusammenfassung einer WGA-Podiumsdiskussion zu lesen. Und so wenig auch das amerikanische System mit der deutschen Filmindustrie zu tun hat, und so aufgeblasen die WGA-Figuren auch immer klingen mögen (der Großteil der Aussprüche scheint aus Drehbuchleitfäden zusammengeschrieben zu sein – “fasse deine Story in einem Satz zusammen”, “schreibe, was du gerne sehen möchtest”), so sehr hat mich doch eine Zeile aus der Zusammenfassung gefesselt:
Is making a short and putting it on Youtube a waste of time? Across the board, yes. Don’t do it. Write something good instead.
Das genau ist es doch, was viele von uns versuchen. Der alte Traum eines SAM RAIMI oder PETER JACKSON. Drehe mit wenig Geld einen Film, der ganz passabel aussieht, und zeige so was du kannst – dann rennen dir die Produzenten die Tür ein. Das ist es auch, was wir derzeit in viele Richtungen verfolgen: im Netz aktiv zu sein, Youtube-aufmerksamkeit über ‘Morphium Cuts‘ zu generieren. Und ja, trotz all unserer Bemühungen in diesem Bereich, sehe ich es eigentlich ähnlich düster. Der Markt ist übersättigt von billig produziertem Content; die übersichtliche Plattform, mit der man wirklich Aufmerksamkeit erzeugen kann, existiert längst nicht mehr; das Prinzip von ‘Blair Witch Project’ wird sich so nicht wiederholen.
Ich bin mir dabei selbst nicht einig, und sicher werden wir weiter in alle Richtungen arbeiten und denken. Ich glaube aber (und damit nehme ich Phrasen aus den Drehbuchleitfäden auf), dass es immer wichtiger wird, originellen Content zu entwickeln, und dass die eine gute Idee wichtiger ist als massiver Output. Und diese Idee verdient dann mehr, als Youtube zu bieten hat.
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YouTube/MorphiumFilm
Del.icio.us/Morphium66
März 1st, 2009 at 9:25 pm
Hallo Thomas,
du siehst das ganze düster? Ich weiß nicht, vielleicht trifft es verschwommen oder so.
Ist ja nicht das erstemal, dass alle auf das grosse Versprechen Namens Inet hoffen. Nur tun es nach dem 2000 Crash nun auch wir Videoleute. Jetzt wo doch eigentlich alle Vermarktungsketten gesprengt sind, muss doch was gehen. Irgendwas.
Ich sehe, das Internet immer noch als großartige Möglichkeit an, etwas zu publizieren ohne vorgaben erdulden zu müssen. Aber: Wann decken sich Produktionskosten und Einspielergebnisse? Ich meine, wenn man MorphiumCuts oder nen Fortschrittsbeitrag nicht aus Lust zum Medium/Musik machen würde, sondern Lebenszeit in monetäres umrechen müsste (dreh, schnitt, upload) was bleibt denn dann? Oder geh ne Nummer weiter: Hobnox, wenn da kein dicker geldbeutel hinterstecken würde, dann wär da doch auch schon längst Sense. Klar, orginärer und origineller Content sind sicher ein Anfang, aber ich glaube in Geld lässt sich das Netz _noch_ nicht wirklich umwandeln. Außer man produziert massenweise leichtverdaulichen Schrott, findet einen finanzstarken Partner und Sponsor oder wird irgendwie Subventioniert. Allenfalls Querfinanzierungen bringen Punkte, so wie es Herr Sixtus grad vormacht (aber dann könnte man sich das Netz eigentlich auch gleich sparen) oder man begreift das Internet als Minusgeschäft finanziell und als PR Maßnahme positiv. Aber direkt von Konsument zu Produzent wird da kaum was gehen. Ich denke, wir brauchen noch mind. eine Generatione bis der größte Teil der Bevölkerung vor dem Netz statt vor der Glotze hängt, vielleicht werden dann die Karten neu gemischt. Und so lange probieren wir weiter, mit neuen Formaten, ohne Geld, dafür mit viel Engagement! Ich bin dabei!
März 2nd, 2009 at 9:51 am
Ganz so düster sehe ich es ja gar nicht, und möchte auf jeden Fall nicht Youtube oder das Internetz monetarisieren. Das Internet, auch dieser Blog,ist PR-Plattform oder Teststrecke für neue Ideen. Aber genau gegen diese Zwecke spricht sich die WGA (verallgemeinern wirs mal, da ich nicht weiß wers gesagt hat)aus. Und hat nicht unrecht. Die Masse an Content hat so zugenommen, dass du (das sehen wir ja an Morphium Cuts) länger damit zubringst, dein Video zu vermarkten bzw rumzuschicken, als es zu drehen und zu schneiden. Das heißt, der selbstvermarktungseffekt, den Youtube verspricht, ist vollkommen dahin.
Trotzdem schön, dass du dabei bist
März 2nd, 2009 at 6:18 pm
Ah so, ich hab das wieder ganz anders gelesen. aber bleibe natürlich bei dem was ich oben gesagt habe. aber das mit dem selbstvermarktungseffekt, wer glaubt da schon wirklich dran? selbst die schrägsten virals sind doch ohne ende geseeded. von zwei sehr bekannten, weiß ich auch wer’s gemacht hat. da steckt natürlich ne menge arbeit drin. von alleine geht da nichts, und ich bezweifle auch das blairwitchding damals völlig von allein losgelaufen ist. im bestenfall wirds dann irgendwann n selbstläufer, aber der anfang ist und bleibt steinig. ich glaube auch nicht wirklich, daß jetzt ein total geiler neuer inhalt da was dran ändert. du musst halt erstmal ne hürde schaffen. das ist dann wie mit promosachen auf allen anderen gebieten und du bleibst sklave von tags und rankings. geschenkt wird einem nix.
achso, was mir grad noch einfällt:
“…die übersichtliche Plattform, mit der man wirklich Aufmerksamkeit erzeugen kann, existiert längst nicht mehr…”
gabs die überhaupt jemals im netz? bertram gugel hat neulich einen interessanten artikel irgendwo in seinem blog geschrieben: a la locke erstmal unzählige zuschauer mit crap. wenn die dich dann einmal abboniert haben, nehmen sie auch später das gute zeug!
http://www.gugelproductions.de/blog/
März 2nd, 2009 at 6:41 pm
Na dann sind wir doch schon gut aufgestellt mit crap
aber im Ernst: an den Artikel, den du meinst erinner ich mich auch düster; das Problem dabei ist ja (geht jetzt etwas ab vom Thema), dass man sich mit crap leicht den channel versaut. Oder mal in Hinblick auf corporate blog ausgedrückt. Wie viele ‘casual artikel’ dürfen sein, damit der blog noch als corporate erkennbar bleibt. Man muss ja auch halbwegs seriös bleiben.
März 2nd, 2009 at 7:55 pm
Nagut, in dem fall geht das natürlich nicht.
ich würd mich halt fragen, was ich aussagen will. in eurem fall kommt momentan rüber: ihr seit ein haufen junger, leidenschaftlicher filmer, die dicht dran sind am leben, unkonventionell, strolchige typen. sowas in der art. ich glaub das kommt immer ganz gut fürs corporate. (und ist eben kein! crap, ihr filmt euch ja schließlich nicht beim rumhängen, wobei das auch lustig sein könte)
die andere frage ist nur, wollt ihr damit mehr? ich meine gibt es leute die bei morphium-cuts hängen bleiben und dann aufträge abgeben? vielleicht ganz junge unternehmen, und es eignet sich sicher auch als musikvideoaquise. aber sonst? is ja n bisschen wie fortschritt, aber ohne erkennbares system (ich weiß, is ja bei uns auch sehr schwer zu erkennen). als eigenständiges format aber noch zu unklar.
um an die kunden ranzukommen müsste man glaub ich etwas anderes machen als morphium-cuts. etwas was mit finanzkrise, pos, marketinggedöns o.ä. zu tun hat. da gabs doch diese agentur die starwars auf schwäbisch übersetzt hat. oder etwas anderes mit derben humor, aber schon kreativ. so was geht sicher immer. so a la morphium-after-work oder morphium-labs oder so. die folge: aha: die machen nebenbei auch noch geilen scheiss und probieren neue stile, formate. so was in der art und das gesicht als geile kreativ bude bleibt gewahrt. klar, das frisst ressourcen, und zielt in in eine andere richtung.
aber ich hab deinen artikel eigentlich nicht auf corporate blogs bezogen, sondern auf aufmerksamkeit im netz allgemein. aber das thema ist auch recht interessant. was sagen denn eure kollegen/ geschäftspartner zu eurem auftreten im web. gibts da irgendein feedback?
März 2nd, 2009 at 8:49 pm
Also klar, es ging ums Netz allgemein, aber mehr noch als Youtube beschäftigt mich zur Zeit nunmal der Blog. Es gibt ja auch wenige Vergleiche im Netz – die meisten corporate blogs stammen aus der Marketingbranche, da ist der Blog quasi Teil des Geschäfts. Aber ich will das auch nicht ausufern lassen – MorphiumCuts ist frisch, und, ja, noch etwas konfus. Aber wir sind ja auch Fans von natürlicher Entwicklung
Übrigens bin ich ein wenig neidisch auf die Struktur von fortschritt.tv – gar nicht konfus nach meiner Meinung.