Heute ist der von der UNESCO ins Leben gerufene Welttag des Buches. Und obwohl ich ein begeisterter Buchsammler (und -leser) bin, stimmt es mich schon nachdenklich, wie viel Zeit man mit Lesen im Internet verbringt (ich träume ja immer noch von den gebundenen Sammelausgaben der besten Blogs – spätestens seit Twitter ein unwahrscheinlicher Traum).
Ich sehe aber auch, wie mein ‘Lexikon des internationalen Films’ dank imdb als Regalschmuck verstaubt. Ganz natürlich: was soll ich mich durch Papierberge wühlen, wenn alle Informationen nur einen Klick entfernt sind.
Jedenfalls ist der Welttag des Buches nun schuld, dass ich die Staubflusen von meiner Filmbuchabteilung gepustet – und sofort in Erinnerungen geschwelgt habe. Hier sind die besten Entdeckungen der Spurensuche und ein paar gute Tips für cineastische Gutenbergisten.
Film als subversive Kunst – Amos Vogel
Amos Vogel hat mit seinem Buch ein detaillverliebtes Kaleidoskop der Subversion geschaffen.
Ausgehend von der ‘Subversion der Form’, der russischen Avantgarde mit ihrer Revolution der Montage (hier zeigt er auch faszinierend Formen des Kubismus und Expressionismus im Film; Richtungen, die in der realistischen Filmkunst ja zunächst schwer vorstellbar sind), über die ‘Subversion des Inhalts’, das Aufbrechen narrativer Strukturen und inhaltlich schwer Verdauliches wie ‘Triumph des Willens’, bis zu den finalen Tabubrüchen, den Filmen des Wiener Aktionismus und anderen.
In kaum einem anderen Buch wurde Film je so deutlich als provokantes Kunstmedium dargestellt, nirgendwo sonst kann man sich so sehr in kleinen vergessenen Meisterwerken verlieren. Die Taschenbuchversion müsste noch erhältlich sein.
Verführung zum Film – Vinzenz Hediger
Der amerikanische Kinotrailer seit 1912, so der vollständige Titel des Buches. Der Kinotrailer macht bis heute einen großen Teil des Kinoererlebnisses aus, und kann im besten Fall zu einer eigenen Kunstform werden. Hediger zeigt in seinem Buch nicht nur die historische Entwicklung des Trailers von den ersten grafischen Kunstwerken zu den heutigen Schnittgewittern, sondern beschreibt auch Techniken und Dramaturgische Besonderheiten – mitunter in sehr tiefgründigem, wissenschaftlichem Ton.
Dem Buch liegt eine CD bei, auf der die wichtigsten erwähnten Trailer zu sehen sind.
Filmkünste: Kamera – Peter Ettedgui
‘Filmkünste’ scheint als Reihe angelegt worden zu sein, die unterbewertete oder nicht in die
Öffentlichkeit gelangende Tätigkeiten beim Film genauer vorstellt. Ich habe allerdings nur zwei Bände gefunden, also scheint die Reihe wohl vorzeitig aufgegeben worden zu sein. Dabei zeigt der Band ‘Kamera‘ einen unvergleichlichen Einblick in das Werk der größten Kameramänner. Janusz Kaminski, Robby Müller, Gordon Willis und andere werden in faszinierenden Interviews vorgestellt und dürfen Anekdoten von den Dreharbeiten erzählen. Das dünne Buch kann dabei kaum einem tiefergehenden Interesse gerecht werden, gibt aber einen faszinierenden Überblick über die verschiedenen visuellen Techniken.
Louis Malle über Louis Malle – Phillip French
Fast ein eigenes Genre im Filmsachbuch sind die Interviewbücher mit bekannten Regisseuren. Eines der besten ist wohl das Hitchcockstandartwerk ‘Truffaut/Hitchcock’. Leider war ich nie ein großer Hitchcock-Fan. Auf meiner Favoritenliste ganz oben steht das Interview mit Louis Malle, eines der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague, von Phillip French. Kaum ein Interviewbuch gibt einen derart umfangreichen und charmanten Einblick in das Werk eines Regisseurs. In nach den Filmen geordneten Kapiteln erzählt Malle von den Konzeptionsarbeiten, Dreharbeiten, und gibt Anekdoten über Streitigkeiten mit Brigitte Bardot und Susan Sarandon zum Besten.