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Indiana Jones und die Rechercheüberbleibsel

Mai 30th, 2009 by Thomas

Wir haben mittlerweile eine Filmlandschaft (noch nicht so sehr in Deutschland, aber das ist auch nicht die Landschaft, die uns prägt), die all ihre Energie in den Kopismus steckt, statt die gleiche Energie in Neuschöpfungen zu kanalisieren. Remake jagt Remake, alte 80er-Jahre Filmreihen erfahren wieder Sequels, und wir sind meist damit beschäftigt, das zu kritisieren. Dabei könnte man sicher auch die Wut über den Kopismus besser kanalisieren. Hey, wir sind das Volk, und wir haben die Kameras – dann machen wir eben den New Shit.

Ich allerdings habe nichts gegen Neuinterpretationen (nicht seit sich mir in der Schullektüre ‘Kabale und Liebe’ als Reboot von ‘Romeo und Julia’ entlarvt hat). Auch war ich wahrscheinlich der einzige Zuschauer, der Van Sants ‘Psycho‘-Remake positiv gegenüberstand. Nicht so sehr, weil es ein großartiger Film war – die wesentlichen Elemente, die das shot-for-shot Remake aufgewertet hätten (die Farben, die Darsteller) waren eher mittelmäßig. ‘Psycho’ war ein Konzeptfilm, und das Konzept fand ich spannend. Das gleiche Konzept erschien mir bei Hanekes ‘Funny Games‘ übrigens als reine Geldmaschine.

Wie auch immer: der Kopismus ist momentan mein Thema, und also ist es Zeit für den zweiten Post zu Rechercheüberbleibseln. Über meine Leidenschaft an  Recherche habe ich im letzten Beitrag schon geschrieben; es ist ja ein Segen der Web 2.0 Gesellschaft, dass wir dazu nicht mehr in Bibliotheken gehen müssen. Natürlich bleibt es nicht aus, bei einem gewissen Recherchestand den Rechner zu verlassen. Als Inspirationsquelle und erstes konfuses Ideen-’Mashup’ ist Google aber unverzichtbar.

Als das Thema Kopismus/Recycling für mich also noch mehr in Richtung Film ging (das ist inzwischen gestrichen, daher kann ich es hier weiterverwerten), und ich mich an meine Begeisterung für Van Sants ‘Psycho’ erinnert habe, bin ich auf das faszinierende shot-for-shot Remake von ‘Raiders of the Lost Ark‘ gestoßen, das der 10-jährige Chris Strompolos und der 11-jährige Eric Zala 1982 zu drehen begannen, und das  7 Jahre bis zur Vollendung brauchen sollte. Insbesondere die Szenen mit dem Artefakt und der mörderischen Steinkugel im folgenden Clip sind atemberaubend, nicht nur unter Berücksichtigung des Alters der Filmemacher:

Weiß jemand, wie Spielberg auf die Entdeckung dieses Films reagiert hat? Fühlt man sich bei Kopismus eigentlich geehrt oder ausgeraubt? Würde mich übrigens auch im Zusammenhang mit ‘The Hunt for Gollum‘ interessieren.

Das Indy-Franchise scheint mir im Übrigen eines der meist kopierten zu sein. Es entwickelt sich durch die zahlreichen Fanprodukte (zu denen ja auch die Fanadventure-Fortsetzung zu ‘Fate of Antlantis’ ‘Fountain of Youth‘ gehört) eine tiefgründige Erweiterung des Universums, von der man sich nur wünschen kann, dass sie von Spielberg und Lucas (und Lucas Arts) aufgegriffen wird. Hier meine liebsten Beispiele aus dem weltweiten Internet – wobei ich mir denn doch irgendwann einen abendfüllenden Film mit den Ausmaßen eines ‘Hunt for Gollum’ wünsche:

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Terminator Salvation Vorfreude

Mai 23rd, 2009 by Thomas

Also ich habe hier schon einige Male über Terminator Salvation geredet, und bin dabei nicht einmal vor Klatsch und Tratsch zurückgeschreckt. Aber ich kann das entschuldigen: selten bin ich so von Vorfreude gepackt gewesen wie bei dieser Neuauflage (das letzte Mal vielleicht bei Indy – der mich vollauf zufrieden gestellt hat).

Und mit Christian Bale und Jonathan Nolan an Bord kann mich auch ein McG und ein unsinnigerweise eingedeutschter Titel nicht abschrecken. So komme ich heute zurück auf die Blogger-Erde, um ein wenig Vorfreude auf den 4. Juni zu verbreiten.

Diese Hommage an Filmabspann-Monsterballaden aus den Zeiten des großen 80er/90er Jahre Kinos gab es heute via Cinematical. In seinem Blog sagt Matthew Belinkie dazu:

This song, to me, is a prime example of “earony,” a word I coined to describe my feelings towards inspirational speeches. The word is a combination of “earnest” and “ironic.” With this song, Mark is clearly mocking monster ballads. At the same time, he clearly loves monster ballads to death. Thus, it’s an earonic song.

Und eigentlich hatte ich mir ja vor Filmstart vorgenommen, die komplette Terminatorserie (nicht nur die 3 Filme, sondern auch die fantastische Fernsehserie) am Stück anzuschauen. Das werde ich wegen Zeitmangels wohl nicht mehr schaffen (Ausschnittweise sicherlich, aber leider nicht komplett). Dennoch will ich hier auf die großartigste Szene aus “Sarah Connor Chronicles” hinweisen. Wer danach nicht Fan ist versteht nichts von großem Kino.

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Gollum aus dem Sack – “The Hunt for Gollum” Fanfilm

Mai 4th, 2009 by Thomas

Whoo, wenn es auf Fanfilme kommt, werde ich ganz furchtbar unruhig und nerdy. Vereint sich doch in dem Thema die kreative Motivation als Filmemacher perfekt mit dem Herz des Fanboys, dem die eigene Kreativität oft egal ist, und der viel lieber hemmungslos und unreflektiert in der Welt der Popkultur konsumiert (mit ein Grund für die Off-Topic-Beiträge in diesem Blog).

Aber wir hatten unseren kleinen Ausflug ins Reich der Fanfilme ja bereits vor Jahren mit dem gescheiterten Hellraiser-Film (von geplanten 60 Minuten haben wir nur 2 umgesetzt). Und dennoch: wenn ich gute Fanprojekte sehe, möchte ich manchmal den kommerziellen Mantel an den Nagel hängen und selbst wieder in zügelloser Kreativität den Popkulturidolen nachhecheln.

Ein solcher guter Film ist zweifellos “The Hunt for Gollum”, der gestern seine Online-Premiere hatte.

Mit einem Budget von 3000£ und einem riesigen Stab freiwilliger Helfer haben die Jungs von ‘Independent Online Cinema’ einen gigantischen 40minüter geschaffen, der sich fast nahtlos in die Kinoerinnerungen an die LotR-Trilogie einfügt.

Die eigentliche Story (eben die Jagd Aragorns nach Gollum als Vorgeschichte zu LotR) tritt dabei wegen ihrer Simpelheit glücklicherweise schnell in den Hintergrund. Diese kurze Episode wurde zwar nach Aussage des Regisseurs von Tolkien erwähnt, wahrscheinlich aber zu Recht nie literarisch umgesetzt. Viel zu erzählen hat der Film eben nicht. Dafür aber einiges an Bildern und Atmosphäre zu bieten.

Seine stärksten Momente hat er denn, neben den beeindruckenden CGI/Prothesen/und Makeup-Effekten, in den martialischen Kampfszenen, die zwar nicht so elegant weitblickend inszeniert sind wie in der original Trilogie, aber doch eine eindrucksvolle Choreografie zeigen. Und wenn die dunklen Reiter (hießen die so?) auftauchen, zeigt sich, wie leicht eine so markanter Inszenierungsstil wie der von Peter Jackson zu kopieren ist. In Szenenauflösung, Schauspiel, Farbkorrektur und Musik: überall spürt man die altbekannte Mystik.

Natürlich ist das auch eines der größten Probleme des Films. Wo Jackson selbst mitunter hart an der Schmachtgrenze vorbeischrammte und die weinerlichen Darsteller oftmals Gefahr liefen, statt Mitleid Wut zu provozieren, schafft “The Hunt for Gollum” nicht durchweg die gleiche Gratwanderung. Und manchmal möchte man einem der heiser flüsternden Schauspieler (ja, tief bewegt sind sie von den epischen Pfaden, die sie beschreiten) doch einen Hustenbonbon reichen, und ihnen mitleidig versichern, dass sie im nächsten Film wieder deutlich sprechen dürfen. Aber das sind Grundprobleme von Tolkiens Fantasy-Mythos, die die ansonsten großartigen Darsteller von Aragorn und Gandalf tapfer ertragen.

Einzig die Entscheidung, Gollum nicht über Makeup-Effekte zu inszenieren (wäre das dem Budget doch mehr als angemessen gewesen) sondern durch Shots aus den LotR-Filmen zusammenzusetzen, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Hat es doch zur Folge, dass die arme Kreatur die meiste Zeit des Films im Sack verbringt, was bisweilen zu unfreiwilliger Komik führt.

Trotz allem: selten hat mich ein Fanfilm derartig überzeugt, und es bleibt den Beteiligten zu wünschen, dass sie bald eine Anstellung bei Wingnut Film haben. Aber vielleicht würde Jackson eine solche Konkurrenz im eigenen Haus auch fürchten.

Leider ist es nicht möglich, den Film selbst einzubetten (dafür geht auf die offzielle Homepage), daher hier nur der Trailer:

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