Es ist soweit! Die 2. Staffel der Doku-Webserie Bubble Universe ist gestern auf 3min.de, dem Webserienportal der deutschen Telekom, online gegangen. Produziert wurde die Serie, wie schon die erste Staffel, von fullscrn film, in Zusammenarbeit mit unserer Wenigkeit, Morphium Film. Grundlegende Produktionsnotizen folgen, heute erstmal ein paar grundlegende Infos.
Während die erste Staffel noch ausschließlich von World of Warcraft handelte, war schon im Design der Serie die Möglichkeit für ein größeres Konzept gesetzt. Viele Bubbles gibt es in einem Bubble Universe, viele Parallelwelten zu erforschen. So wurde denn die Kameralinse über der ersten Blase geschlossen, und der Blick auf eine Neue geöffnet: die Welt des E-Sports.
Ein Thema, das ähnlich komplex und undurchsichtig für Außenstehende ist, wie WoW. Und ähnlich naiv wie schon in der ersten Staffel sind wir zunächst an die Produktion der Serie gegangen. Mit wenig Vorkenntnissen von den wichtigsten Spielern, den Strukturen und Ligen, den Spielerpersönlichkeiten. Für mich noch immer die beste Variante, sich in eine Doku zu stürzen – ohne Kenntnisse heißt auch: ohne Vorurteile. Und das ist schließlich entscheidend bei einem Thema, das täglich mit harten Vorurteilen zu kämpfen hat.
Wir haben also zunächst diverse Vorgespräche geführt, um uns in die Details der Szene einweisen zu lassen (ein großes Danke an dieser Stelle an Christian Brand von der ESL für seine geduldigen Erklärungen). Schnell haben wir dann die richtigen Protagonisten für die Serie gefunden. Marc ‘yAwS‘ Förster, der repräsentativ für die Profispieler steht; Wolfgang ‘TankJr‘ Maurer, der den Newcomer-Aspekt in die Doku einbringt (immerhin ganz entscheidend für Sportfilme – was wäre ‘Rocky’ ohne dieses Thema); Jeannine ‘Playmate‘ Brand, die allein mit ihrer weiblichen Präsenz mit den meisten Vorurteilen aufräumt; und Sebastian ‘Jah Fish‘ Clave, der in seinen Retrospielen die E-Sport-Historie lebendig werden lässt.
Die Folgen werden ab jetzt 3 mal die Woche auf 3min.de veröffentlicht. Sobald es mehr Folgen zu sehen gibt, werden wir an dieser Stelle mehr schreiben. Für einen ersten Blick ‘Behind the Scenes’ ein paar Fotos vom Dreh:
Der letzte Morphium-Cuts Beitrag ist ja nun schon eine Weile her. Grund genug für uns, das Projekt, das ja das lebendige Berliner Szeneleben darstellen soll, wieder aus der Taufe zu heben. Insbesondere nachdem die Jungs von Acker Records und 3000° Booking uns angerufen haben, mit der Bitte, ihre Wanderzirkustour über unseren Youtube-Kanal zu porträtieren.
Also verschlug es uns am 23.01. diesen Jahres in den Ritter Butzke, wo der Berliner Tourstop des Wanderzirkus’ doch mit einigem Aufwand befeiert wurde. Feuerkünstler, Stelzenläufer und anarchische Clowns bildeten die Kulisse für die das Label bestimmende Mischung aus Polka und klassischen Elektrosounds. Hinter dem Pult waren neben den wichtigsten Persönlichkeiten des Labels wie Kombinat 100 und Dreher & Smart auch The Glitz (Voltage Musique). Die Athmosphäre der fantastischen Party zeigt der Clip besser, als ich es je beschreiben könnte – also: anschauen!
Übrigens ist der Wanderzirkus der erste Morphium-Cuts Beitrag der als Auftragsarbeit entstand. Natürlich für einen Freundschaftspreis. Solltet ihr also ein Porträt eurer Party oder eures Events brauchen – dann meldet euch. Wir sind aufgeschlossen.
Wer selbst Filme macht, sollte auch ein Auge auf Fremdproduktionen behalten, und insbesondere das Gespräch über Filme kultivieren. Die Entwicklung von visuellen Stilmitteln, inhaltlichen und dramaturgischen Elementen schreitet seit über hundert Jahren beständig voran. Hier die Übersicht zu behalten, neue Entwicklungen zu erkennen, und Änderungen in den Sehgewohnheiten aufzugreifen sollte ein Hauptanliegen für den modernen Filmemacher sein.
Um unseren eigenen Dialog über Filme über den normalen Kinogang hinaus zu fördern, haben wir in unseren Büroräumen einen ‘Filmclub’ angeregt. Neugierige und aufgeschlossene Filmfans treffen sich dabei alle 2 Wochen zum gemeinsamen Filmerlebnis mit nachfolgender Diskussion.
Nicht immer war bislang der Film die tiefere Betrachtung wert, doch wir halten eisern durch, und versuchen jeden Film in der Diskussion gerecht zu behandeln.
Um unsere ‘Erkenntnisse’ und ‘Erleuchtungen’ zu dokumentieren, und möglicherweise einen roten Faden in unserer Art der Filmanalyse zu entdecken, möchte ich die Ergebnisse der Diskussionen ab jetzt im Blog zusammenfassen.
Der erste Film der Swordsman-Reihe wurde 1990 von King Hu inszeniert und markierte die Renaissance des Wuxia-Genres (einer Mischung aus kung Fu und Fantasy), das 1971 durch King Hus eigenen Film ‘Ein Hauch von Zen’ seinen Höhepunkt erreicht hatte. Co-Regisseur und Action-Choreograph war schon im Original Ching Siu-Tung (bekannt für seine Regiearbeit bei ‘A Chinese Ghost Story’ und die Action-Choreographie bei Zhang Yimous ‘Hero’), der ab dem 2. Teil das Zepter komplett in die Hand nahm.
Ab dem zweiten Teil wurde die Figur des/der ‘Dong Fang Bu Bai’ (gespielt von Brigitte Lin) in die Reihe eingeführt, die im Mittelpunkt des 3. Teils steht, und diesen zum wichtigsten Film des ‘Hong-Kong-Kinos’ machte:
“Die Darstellerin machte die Figur zum Mythos, die Rolle seine Darstellerin zur Legende. Das alles mag übertrieben klingen, doch man braucht nur den Namen „Dong Fang Bu Bai“ gegenüber Chinesen oder sonstigen Ostasiaten auszusprechen. Wenn man die Betonung trifft und das Gegenüber die Worte versteht leuchten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Augen, wird bejahend mit dem Kopf genickt. Ja, diese Figur kennt man, diese Darstellerin kennt man.”
(“Dong Fang Bu Bai” – Aspekte einer Schlüsselfigur des Hongkong Kinos; in: HighNoon, Filmzeitschrift des aka-Filmclub e.V.)
Die Figur des/der ‘Dong Fang Bu Bai’ (oder ‘Asia’) spiegelt dabei einen der wichtigsten Aspekte des chinesischen Kinos wieder: den Verlust oder die Neudeutung des Geschlechts, bis hin zur kompletten Entmenschlichung:
“The boundaries of identity have been blurred by Swordsman II, and in The East Is Red [Swordsman 3], Fong essentially has to make the passage back to convince us she is a human being in order to transgress bounds. The East Is Red explores this realm through a complex narrative use of masks and masquerade. Throughout the film, many of the characters wear masks. The individual currently masquerading in the world as invincible Fong is actually the weak-hearted and fragile Snow, a woman who was once Fong’s lover”
(Swordsman II and The East is Red – The “Hong Kong Film,” Entertainment, and Gender; by Rolanda Chu)
Swordsman 3 ist, wie jeder Film des Hong-Kong-Kinos, übervoll mit Symbolik und Intentionen:
“Während westliche Kulturen wesentlich mehr auf Wort und Dialog focussiert ist, ist die ostasiatische Kultur eher eine Bild- und Symbolkultur. „Dong Fang Bu Bai“ wird mit „Asia the Invincible“ übersetzt, keine zufällige Namenswahl. Zumindest in „East is Red“ scheint „Asia“ weniger für Asien zu stehen, als vielmehr für China. Dieses China rechnet mit all jenem ab, was den Chinesen als Feind gilt: korrupte und degenerierte Beamte, üble Scharlatane die durch Aberglauben Chaos und Anarchie verbreiten, Spanier und Japaner.
[..] Gegen Ende des Films benennt sich „Asia the Invincible“ in „World the Invincible“ um – der Name steht als Herrschaftsanspruch.”
Fest steht, dass das chinesische Kino für den Westeuropäer stets kryptisch bleiben wird. Um es zu entschlüsseln braucht man intensive Kenntnisse von Religion und Politik des Landes. Fest steht aber auch, dass der Entertainment-Faktor der fliegenden Mönche auch im westlichen Raum final angekommen ist.
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Nach dem Film (vielleicht auch wegen des sehr verspäteten Screenings) waren wir alle etwas geplättet. Zu viel Information auf zu wenig Zeit steckte in dem Film. Frauen, die auf Schwertfischen reiten (Symbolik?), fortwährende Wiederholungen der gleichen Kampfszenen mit flatternden Gewändern und fliegenden Nadeln. Abrupte Sprünge in den Szenerien und Dialogen.
Und über der gesamten Diskussion schwebte die Frage: lohnt der Versuch der Analyse bei einem solchen Film überhaupt? Würde auch ein Chinese versuchen, den Film auf seine Bedeutung hin zu analysieren, oder wenigstens unterbewußt die Symbolik verstehen? Oder ist ein solcher Film in Hong Kong ausschließlich leichtes Entertainment, vergleichbar etwa mit den Transformers-Filmen, und die offensichtliche religiöse und mythologische Symbolik nur ein bedeutungsloses Mesh-Up?
Ein spannender Aspekt jedenfalls, den wir in der Diskussion nicht einheitlich klären konnten, ist der Umgang mit Historienfilmen. In China und Hong Kong scheinen die meisten Filme auf eine abstrakte Art auf die Historie Bezug zu nehmen, bleiben dabei aber meist unreflektiert, fast glorifizierend. Prostitution, lesbische Liebe in einer patriarchalischen Gesellschaft, Militär, Saufgelage – all das sind unkommentierte Storyelemente, die als normal und bekannt vorausgesetzt werden. In einem europäischen Historienfilm würden sie wahrscheinlich zum kritischen Hauptthema erklärt. Kaum denkbar, die Hochzeit einer 12jährigen unreflektiert darzustellen, ohne die Verwerflichkeit des Gezeigten aus der modernen Sicht deutlich zu machen. Die Chinesen scheinen hier keine Verwerflichkeit zu kennen.
Eine weitere interessante Frage war die nach dem Ursprung der Komplexität in der Symbolik und der Narration. Während europäische und amerikanische Filme nach einfachen Mustern mit allgemein verständlichen Symbolen funktionieren, vermischen sich in chinesischen Filmen die unterschiedlichsten Kulturen, und ohne ein Verständnis für all die unterschiedlichen Mytholgien ist es kaum möglich, den Film mehr als oberflächlich zu sehen. Zunächst scheint dies natürlich an dem starken abendländischen Kulturkreis zu liegen (der sich in Büchern und Filmen hauptsächlich auf christlich religiöser Symbolik aufbaut). Bei näherer Betrachtung aber stellt man fest, dass Europa nicht immer so groß und geeint war, und im Gegenteil der Unterschied in den Sagen, Erzählungen und Symbolen der Regionen doch mindestens mit der Vielfalt der chinesischen kultur mithalten kann. Die Frage muss also offen bleiben.
Sollte ich unsere Diskussion zu sehr aus meiner eigenen Perspektive widergegeben haben, mögen mir dies meine Filmclub-Mitstreiter verzeihen. Ihr könnt ja in den Kommentaren Stellung nehmen
In 2 Wochen jedenfalls bleiben wir in Asien und versuchen, ein japanisches Gegenstück zu Swordsman 3 zu finden.
Schon im letzten Jahr haben wir für die Crew von K37 mit großem Enthusiasmus an digitalen Effekten für das Projekt Hotel Believe gebastelt. Ein sehenswerter Trailer für ein überaschend frisches, außergewöhnliches Projekt ist entstanden.
Auch anderen hat die Idee einer düsteren Show im Stil von Big Brother (sowohl die TV Show als auch der Archetyp 1984) meets Brazil offensichtlich gefallen. So wurde nun im Winter 2009/2010 eine Pilotfolge für die Serie gedreht.
Während der Arbeit an der ca. 1minütigen Opener Sequenz haben wir unter anderem einen Tag mit analogen Experimenten verbracht. So haben wir Texturen erstellt, die als Grundlage maßgeblich den Stil des Intros beeinflussen werden.
Texturen als Masken, oder als Masken für Masken. Als Schwarz/weiß-Matten werden sie in andere Bilder gemischt um natürliche Abnutzung, Kratzer, Unregelmässigkeiten zu erzeugen – interessante Ideen zur Erstellung bringen den gewissen Hauch Echtheit in die Welt der digitalen Gestaltung.
Vieles kann man sicher auch in 3d erstellen oder durch eine Kombination diverser 2d-Effekte erreichen, doch hat uns immer schon die analoge Welt von Papier, Farbe und Bastelarbeiten fasziniert. Eine Tintenpatrone unseres Druckers in kochendes Wasser kippen, oder Tee auflösen und fasziniert auf die enstehenden organischen Strukturen starren. Ölfarbe auf Teller drapieren und Lösungsmittel darüberschütten – mit einem Pinsel verteilen und pusten. Die Wiederentdeckung der VHS Kasette – eben weil sie nicht so sauber und fehlerfrei ihr Bild abbildet.
Eine Idee jagt die nächste: filmen – einspielen – stabilisieren – Sättigung herabsetzen – Kontrast auf Maximum. Der Arbeitsschritt der Mattenerstellung fast spannender als die fertige Introsequenz.
Am 2. Februar ist Murmeltiertag in Punxsutawney, Pennsylvania. Mir war bis heute nicht bewusst, dass es dieses Städtchen tatsächlich gibt. Und wenn “Punxsutawney Phil” real ist, heißt das dann, dass Bill Murray dort noch immer in einer Zeitschleife festhängt? Aber Moment: Bill Murray wurde ja kürzlich von Jesse Eisenberg erschossen.
Wie auch immer. Angesichts der letzten kalten Tage (wir hingen gerade nach einem geschäftlichen Termin über das Wochenende im eingeschneiten Rostock fest) ist das Ergebnis von Phils Verkündung wohl klar: die Winterzeitschleife geht weiter.
Am faszinierensten an ‘Groundhog Day’ finde ich übrigens, wie dieses Lied auf ewig mit armen Menschen verknüpft sein wird, die um 6.00 Uhr aufstehen müssen:
Update 14.45 Uhr: Phil hat seinen Schatten gesehen. Das war ja klar. 6 weitere Wochen.