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Morphium Filmclub – Dear Wendy

März 26th, 2010 by Thomas

Der Filmclub dieser Woche sollte unter dem Stichpunkt ’skandinavisches Kino’ stattfinden. Davon abgesehen, dass Dänemark gar nicht offiziell zu Skandinavien zählt – was soll man davon halten, wenn zwei dänische Filmemacher mit englischen Darstellern einen Film über Amerika drehen? Ist das dann noch skandinavisches Kino? ‘Dear Wendy’ beweist: irgendwie schon.

DEAR WENDY

Dear Wendy markiert die erste kreative Zusammenarbeit der beiden Dogma-Ikonen Thomas Vinterberg und Lars von Trier. Beide hatten zuvor schon an den D-Dag-Filmen gearbeitet, waren dort aber getrennt voneinander tätig. Nun also ein Drehbuch von Lars von Trier, das von Vinterbeg inszeniert wurde. Die beiden Dogma-Vorsitzenden, die sich aufgemacht haben, unsere Sehgewohnheiten zu verändern mit einem dänsichen Film über amerikanische Kultur. Ob die Wildheit und Thesenhaftigkeit des Dogmakinos dabei noch spürbar ist, soll sich zeigen – klar ist aber, dass der Film einem internationalen Publikum deutlich leichter zugänglich war; ein kommerziell funktionierender Kunstfilm also.

„Obwohl bei weitem nicht so abstrakt, erinnert das Produktionsdesign in seiner Künstlichkeit stark an das von Dogville. Oder vielmehr der gesamte Stil – für Dear Wendy hat Lars von Trier das Drehbuch geschrieben. Dick eröffnet als Erzähler den Film und beendet ihn; Geräusche und Nebentöne sind manchmal nur schwach zu hören, als lägen sie in weiter Ferne; die Musik wiederum drängt sich in den Vordergrund – die Lieder von The Zombies sind Teil der Handlung. Neben den besonderen akustischen Mitteln findet sich hier auch das für von Trier typische Spiel mit verschiedenen Bildarten, mit Zeitlupe, Standbildern, Fotos und Zeichnungen. Und schließlich erinnert der Umgang mit Moral an seinen verstörenden Film: Sympathiegefühle werden durcheinander gebracht oder können erst gar nicht entstehen. Stets möchte man sich auf die Seite der Pazifisten schlagen, doch dann leuchtet ein Warnsignal. Selbst beim dramatischen Finale entsteht kein Mitgefühl, genauso wenig wie beim Inferno in dem Dorf in den Rocky Mountains.“ (Sarah-Mai Dang auf www.critic.de)

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Die Diskussion drehte sich größtenteils um die Intention von ‘Dear Wendy’, was durchaus ungewöhnlich ist, bei einem Film, dessen Aussage so naheliegend scheint. Ein Film, der zeigt, wie ein harmloses Spiel mit Pistolen in eine Schießerei führt. Wenn das keine Kritik am amerikanischen Umgang mit Waffen ist (So sieht es zum Beispiel auch Roger Ebert).

Und doch hatten einige von uns das Gefühl, der Film wäre schwer zu erschließen, und durchaus offen für Deutungen. Sind die Waffen aus ‘Dear Wendy’ letztlich nicht mehr als ein MacGuffin? Ich finde es immer wieder spannend, im Kopf das zentrale Objekt eines Films durch ein anderes auszutauschen. Was wäre, wenn die Dandys kein Pistolenclub, sondern ein Handyclub wären. Und wenn es die antiken Liebhaberhandys gebe, die gestreichelt werden wollen, und demgegenüber die funktionalen Handys, die eben zum Telefonieren da sind. Ok, aus diesem Blickwinkel würde der finale Shootout seltsam wirken, aber ich glaube der Punkt ist verständlich. Am Ende des Films jedenfalls ist es so, dass die gepflegten Liebhaberwaffen namenlosen Tötungsmaschinen gegenüberstehen. Eine generelle Waffenkritik kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen.

Für mich der zentrale Punkt unserer Diskussion dieses Mal war der Streit, ob man allein der Filmrealität folgt, oder ob man seine eigenen Anschauungen und Werte auf einen Film übertragen kann. Ich selbst bin ein großer Verfechter davon, dass der Film uns alles Wesentliche erzählt, und wir ihn verstehen müssen, ohne die Filmrealität zu verlassen. Und ‘Dear Wendy’ glorifiziert nun einmal Waffen statt sie per se zu verurteilen.

Allerdings kann ich auch dem konträren Punkt folgen, der in der Diskussion aufkam – nämlich dass die Verurteilung von Waffen so im allgemeinen Bewusstsein ist, dass der Film sich dieser Meinung als Grundlage zum Verständnis bedient.

Am Ende des Abends waren wir uns denn aber größtenteils einig, dass die Pistolen in ‘Dear Wendy’ nur ein Mittel sind, um eine gesellschaftliche Satire zu zeichnen, die eher auf das Miteinander von Menschen (und durchaus auf amerikanische Klischees) abzielt, als auf eine vordergründige Waffenkritik.

Auf jeden Fall sorgen diese Unstimmigkeiten und das Mäandern um verschiedene Themen dafür, dass ‘Dear Wendy’ letzten Endes doch ein sehr dänisches Gefühl hinterlässt, und Amerika eben nur als Kulisse bleibt.

Sollte ich unsere Diskussion wieder zu subjektiv dargestellt haben, bleibt für alle Teilnehmer (und gern auch andere Diskussionswillige) das Kommentarfeld. Jens jedenfalls hat diese Woche die Auswertung in seinem Blog eröffnet.

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Bubble Universe Soundtrack

März 25th, 2010 by Thomas

Schon während der Ausstrahlung der ersten Staffel von Bubble Universe wurden Stimmen laut, wo es denn den Titelsong der Serie zum Download gäbe. Leider ist der Soundtrack für beide Staffeln direkt auf die Folgen komponiert worden, wodurch es uns nicht möglich war, die Musikwünsche zu erfüllen – das Intro war eben nur 20 Sekunden lang! Wenigstens hatten wir ein wenig über das Intro in unserem Blog geschrieben, und dabei auch das Brainstormingfile des Musikers Sam Schlatow veröffentlicht.

Bei der Veröffentlichung der zweiten Staffel nun kamen sofort die ersten Kommentare mit Anfragen nach dem Soundtrack. Also hat sich Sam entschlossen, die Originalmusik neu anzulegen und einen funktionierenden Soundtrack daraus zu entwickeln. Und diesen konnten wir nun tatsächlich zum Download bereit stellen. Dass dafür auch ein wenig Geld verlangt werden muss, kann hoffentlich jeder akzeptieren. Der Betrag wird komplett an dem Musiker gehen.

Der Soundtrack kann hier heruntergeladen werden. Den Titelsong als Gratisdownload gibts direkt bei 3min.de

Und wie das Internet so funktioniert, ist der Titeltrack natürlich auch schon ins Internet geleaked:

Und weils fast Tradition ist, hier noch ein paar Eindrücke aus Sams Gehirn – er singt diese Gedächtnisstützen übrigens besonders gern im Einkaufszentrum inmitten einer Menschenmasse in sein Handy ein, während er tut, als würde er telefonieren:




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Morphium Cuts #8 – The Glitz

März 18th, 2010 by Thomas

Ein wenig verspätet diesmal, der Eintrag zum neuen Morphium Cuts. Die Jungs hatten es sehr eilig mit dem Upload des Videos, da sie es fürs SonneMondSterne brauchten, bei dem sie im August am Start sind. Da sind wir einfach nicht hinterher gekommen.

The Glitz nun also, die Mischung aus Berlin und MV (Mecklenburg Vorpommern), die sich mit ‘White Line’ in den Techno-Ohren etabliert haben,  und die unter anderem auf  Oliver Huntemanns Label Ideal Audio veröffentlichen, und zur 3000° Family gehören. Entsprechend haben wir die Jungs auf dem Wanderzirkus im Ritter Butzke kennengelernt, wo sie neben Kominat 100 auf jeden Fall für den stylischsten Auftritt gesorgt haben.

The Glitz über The Glitz:

The keen sense for the right sound at the right moment makes THE GLITZ not only convincing as producer but also as a DJ-Team in the clubs. People love their energetic sets, but also to see their passion behind the decks is worthwhile is the motivation of this two guys.

An dieser Stelle soll nochmal gesagt sein, dass Morphium Cuts käuflich wird. Künstler und Acts, die uns zusagen, können uns anfragen – wir kommen auch für ein Taschengeld.

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Morphium Filmclub – Gemini

März 16th, 2010 by Thomas

So, etwas hat es gedauert bis zum nächsten Filmclub. Schuld war das Debakel Deutschland gegen Argentinien, das nun wirklich dramaturgische Schwächen hatte, und wegen dem der Filmclub für eine Woche aussetzen musste.

Letzte Woche haben wir dann den 2. Asien-Filmclub nachgereicht – und was soll ich euch sagen: der Film kam besser an als der letzte, und dennoch waren die Schwierigkeiten mit der fremden Kultur wieder offensichtlich. Aber ich will nicht vorgreifen. Zunächst zum Film:

SÔSEIJI (GEMINI) 1999

Shinya Tsukamoto ist einer der wichtigsten Vertreter des modernen japanischen Kinos, und neben Takashi Miike und Sion Sono mitverantwortlich für das Interesse des Westens an der extremen Form japanischer Filme.

“Tsukamoto ist der Cyberpunk. Verschmelzung von Mensch und Maschine à la David Cronenberg findet in seinem Werk genauso Platz wie schwarz-weiß gefilmte düstere Industrieviertel und Wohnmolochs. Ohne seinen überragenden “Tetsuo” dürfte sich die Ästhetik des modernen Videoclips zumindest im Independant-, Industrial- und Punkbereich komplett anders entwickelt haben.” (Mirco Hölling, Filmische.Ekstase.de)

Seine Leidenschaft zum Filmemachen entdeckte er mit 14 Jahren durch eine Super8-Kamera. Kurz darauf gründete er die Kaiju-Theatergruppe (von Kaiju = japanische Riesenmonster). Eines ihrer Theaterstücke ‘Denchu Kozo no boken’ sollte auch Tsukamotos erster Film werden, ein wildes Cyberpunk-Cut-Up-Werk.

Dann kam ‘Tetsuo’ und mit ihm der internationale Erfolg. Die blutige Mischung aus Cronenberg und Lynch stand seither synonym für Tsukamotos brachialen Inszenierungsstil. Nicht ganz zu recht, wie er 1999 mit ‘Gemini’ bewies.

‘Gemini’ ist der erste Film von Shinya Tsukamoto, der auf einer Literaturvorlage basiert, der Erzählung ‘Sôseiji’ des japanischen Autoren Edogawa Rampo (ein Pseudonym, das auf der japanischen Aussprache von «Edgar Allan Poe» beruht) von 1956. Und ob es nun die Präsenz der Vorlage ist, oder ob die jugendliche Wut aus Tsukamoto verschwunden ist: ‘Gemini’ präsentiert sich als zwar bildgewaltiger, doch sehr ruhiger, narrativ sehr strukturierter Film, der selbst einem westlichen Publikum leichter zugänglich ist. Tatsächlich liegt dies auch an den in unserer Kultur vertrauten Motiven – die Klassengesellschaft, die Bruderfehde. Letztlich erzählt Tsukamoto hier die Geschichte des jungen Moses. Ob bewusst oder indirekt aufgrund der Literaturvorlage sei dahingestellt. Im modernen japanischen Kino ist die westliche Kultur viel gegenwärtiger als in alten Filmen Kurosawas, oder im chinesischen Kino.

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Mehr als das letzte Mal konzentrierte sich die Diskussion auf den Film an sich, war doch Swordsman 3 eher nostalgisch als filmisch interessant (und das sage ich als Fan von Ching Siu-Tung, der hier halt nicht an die Klasse von Chinese Ghost Story ranreicht). Tsukamotos ‘Gemini’ hingegen ist ein visuell atemberaubender, filmisch sehr clever strukturierter Film, auf den man sich jedoch einlassen muss.

Die erste Hälfte des Films ist noch einfach nachzuvollziehen; sehr linear und mit ruhigen Bildern schreitet ‘Gemini’ voran. Die Agonie der gehobenen Klasse wird in steifen, farblosen Bildern verdeutlicht, die mit ausdauernder Ruhe komponiert sind: fast erschreckend ist das Bild des Liebespaares, das in seinem Bett von einer tiefen Kluft getrennt ist, in der sonst die Mutter zwischen den beiden schläft. Dann wieder von anregender Schönheit; das Bild einer Näherin, am unteren Bildrand sitzend, die uns den Rücken zukehrt. Nur alle paar Sekunden geht ihr Arm in die Höhe, wenn sie die Nadel neu ansetzt.

Diese stille Gesellschaftskritik, die Darstellung der emotionalen Kälte, scheint typisch zu sein für das moderne japanische Kino, jedenfalls erzählte uns das die Doku von Nagisa Ôshima, die wir uns im Vorfeld angeschaut haben. Und ein weiterer spannender Satz aus der Doku blieb uns während des Screenings in Erinnerung: das japanische Kino, so sagt Oshima, wäre die ersten hundert Jahre nicht aus den Kinderschuhen herausgewachsen, nie aus Japan herausgekommen; und es würde auch die nächsten hundert Jahre nicht geschehen.

Diese harte Aussage war durchaus gegenwärtig im zweiten Teil des Films, der durch wunderschöne, folkloristisch anmutende Kostüme besticht, und dabei fast opernhaft inszeniert ist. Selbst die Logik bleibt in diesem Part von ‘Gemini’ auf der Strecke. Die Handlung verlässt die vorgegaukelte Realität und taucht komplett in die Filmrealität. Wenn man sich auf diese abstruse, jeglicher Logik entbehrende Filmrealität nicht einlässt, hat der Film verloren. Schafft man es aber, die Realität auszuschließen, und nur der Struktur des Films zu folgen, offenbart sich dem Zuschauer ein filmischer Tanz, der sich den modernen Stilmitteln in einer Selbstverständlichkeit bedient, die man im westlichen Kino suchen muss.

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Oscar 2010

März 8th, 2010 by Thomas

Auch wenn die gestrige Oscarnacht etwas ernüchternd war, möchte ich doch noch meine eigene kurze Zusammenfassung in die Runde schmeißen.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass man auch 2 Roboter als Oscarhosts auf die Bühne hätte stellen können, die mit dem Teleprompter interagieren. Besonders nach Hugh Jackmans großartigem Auftritt im letzten Jahr ein wenig entäuschend. Vielleicht werde ich aber auch langsam Oscarmüde – alles erschöpft sich irgendwann, ich geh ja auch nicht mehr auf den Spielplatz.

Trotzdem sind die Oscars für eine weiche Seele wie mich natürlich ein Fest. Mein Highlight war die Reminiszenz an John Hughes, und Matthew Brodericks Kommentar zu ‘Ferris Bueller‘:

“For the last 25 years nearly every day someone comes up to me, taps me on the shoulder, and says – Hey Ferris, is this your day off?”

Edit: das Video wurde von Youtube entfernt. Leider ist es vom Oscar-Channel nicht einzubetten. Also klick hier.

Ein wenig peinlich wirkte die Vorstellung des Horrorgenres in Form eines Filmzusammenschnitts. Klar will man beim Oscar von der neuen Popularität des Genres profitieren, aber nicht nur wirkte das Ganze fehlplaziert und irgendwie sinnlos im Verlauf der Show – das Video wurde auch noch angekündigt von Kristen Stewart und diesem seltsamen Werwolftypen. Ganz ehrlich: ich bin weder Team Edward, noch Team Jacob – ich bin Team “VAMPIRE GLITZERN NICHT!” Und mit Horror hat das Ganze wenig zu tun.

Ansonsten wenig Überraschungen bei den Ergebnissen. Fast ein wenig langweilig über die Länge der Show. Eine kurze Tirade sei mir noch gegönnt zum Thema ‘Best Picture’.

The Hurt Locker‘? Ernsthaft? Und dann mehren sich auch noch die Stimmen, die der Academy gratulieren für diese unpolitische Entscheidung, dem ‘Außenseiter’ Vorrang gegenüber dem Blockbuster ‘Avatar’ zu geben. Eine Frau, die ein Irakkriegsdrama dreht – das ist nicht unpolitisch sondern zutiefst amerikanisch und anbiedernd. Und ich bin ein solcher Geek, dass ich Kathryn Bigelow seit ‘Near Dark‘ vergöttere. Soll sie doch den Regieaward nach Hause tragen. Aber ‘Best Picture’ ist eine Auszeichnung für den beeindruckensten, wichtigsten Film des Jahres. Und das ist nun einmal ‘Avatar’. Ein Film, der so nachhaltig unsere Sehgewohnheiten verändert, dass sich das 3D-Kino zur Sucht ausweiten kann, MUSS einfach diesen wichtigsten Award gewinnen. Nachfogende Generationen werden mit Schande auf diese Verleihung schauen!

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